Die Situation der Landwirte

Während uns die Werbung eine romantische Welt mit Fachwerk-Bauernhöfen zeigt, sieht die Realität längst anders aus. Durch äußere Umstände wie (Welt-) Marktpreise, Import und Subventionen sind landwirtschaftliche Betriebe gezwungen, immer effektiver zu produzieren. Daraus ergibt sich ein Wachstumszwang und steigender Maschinen- und Kapitaleinsatz. Gleichzeitig sind Böden zum Spekulationsobjekt geworden. Durch diese Entwicklung sind die in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen gezwungen, über ihre persönliche Belastungsgrenze zu gehen und Boden und Tiere immer weiter auszunutzen. Die bäuerliche Landwirtschaft ist oft nicht mehr überlebensfähig.

Die Situation der Verbraucher

Die Verbraucher haben in der Regel keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft und zur Herkunft der Produkte. Selbst als „regional“ angebotene Produkte kommen oft von weit her. Die geschmackliche Qualität der Lebensmittel sinkt durch die zunehmend industrielle Produktion.

In der Folge gibt es ein steigendes Bedürfnis nach regionalen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln sowie danach, Landwirtschaft wieder persönlich zu erleben. Viele Menschen sorgen sich zudem um den Erhalt der Landschaft und der Natur und suchen nach Möglichkeiten, einen eigenen Beitrag zur Verbesserung der Situation in der Landwirtschaft zu leisten.

Solidarische Landwirtschaft (Solawi)

Solidarische Landwirtschaft ist eine alternative Strategie für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Sie sichert die Existenz der in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen und der Höfe. Gleichzeitig kommt sie dem Bedürfnis der Verbraucher nach frischen, regionalen und saisonalen Lebensmitteln entgegen.

Die Idee ist nicht neu. Sie ist weltweit verbreitet und umgesetzt. Der erste Hof in Deutschland hat 1988 umgestellt. Gerade in letzter Zeit gewinnt die Idee immer mehr Zulauf. So gibt es aktuell (2017) in Deutschland ca. 120 Höfe und produzierende Initiativen und ebenso viele in Gründung.

Die Idee

Die Idee ist einfach: Menschen schließen sich zusammen, um gemeinsam Landwirtschaft zu finanzieren. Diese Verbrauchergruppe kauft nicht die einzelnen Produkte, sondern erklärt sich jeweils für ein Wirtschaftsjahr vertraglich bereit, sämtliche Kosten des Hofes zu tragen (Lebensunterhalt, Mieten, Pachten, Maschinenwartung, Abschreibungen, Saatgut usw.). Die landwirtschaftlichen Produkte haben in diesem System keinen Preis mehr, da sie nicht über den Markt vertrieben werden.

Der Landwirt weiß daher, dass sein Betrieb für 12 Monate gesichert ist und kann sich ganz auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren. Die Verbraucher erhalten im Gegenzug alle Erzeugnisse, tragen aber auch das Risiko – z.B. einer geringeren Ernte.

Eine neue Art des Wirtschaftens

So einfach sich das auch anhört, so ist es doch eine völlig neue Art des Wirtschaftens, die für unser kapitalistisches System ungewöhnlich ist. Daher erfordert es bei allen Beteiligten ein Umdenken. An Stelle der anonymen Beliebigkeit eines Marktes entsteht ein solidarisches Miteinander zwischen Erzeugern und Verbrauchern, aber auch zwischen den Verbrauchern untereinander. Der persönliche Bezug macht die gegenseitige Verantwortung bewusst. Durch die wachsende Identifikation der Verbraucher mit „ihrem Hof“ können auch schwierige Situationen gemeinsam bewältigt werden. Für viele Fragen und Probleme finden sich innerhalb Verbrauchergruppe Fachleute.

Gestaltungsspielraum

Wie weit das Miteinander geht und wie es konkret gestaltet wird, hängt von den Beteiligten ab. Hierbei gibt es keine Regeln und es zeigt sich, dass die Initiativen sehr unterschiedlich sind. Üblich sind neben der jährlichen Mitgliederversammlung gelegentliche (freiwillige) Arbeitseinsätze und Hoffeste zur Gemeinschaftsbildung.

Die Möglichkeit, das Konzept durch weitere Ideen zu erweitern, ist jederzeit gegeben und hängt von den Bedürfnissen und der Initiative der Beteiligten ab.


Ausführliche Informationen zur Solidarischen Landwirtschaft gibt es auf der Webseite des Netzwerks für Solidarische Landwirtschaft.